Soziologie

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So|zi|o|lo|gie [zots̮i̯olo'gi:], die; -:
Wissenschaft, Lehre von den Formen des Zusammenlebens der Menschen, von den Voraussetzungen, Erscheinungsformen und Entwicklungen gesellschaftlichen Lebens:
Soziologie studieren.
Zus.: Alterssoziologie, Arbeitssoziologie, Erziehungssoziologie, Geschichtssoziologie, Literatursoziologie, Sprachsoziologie.

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So|zio|lo|gie 〈f. 19; unz.〉 Lehre vom Zusammenleben von Menschen innerhalb einer Gemeinschaft bzw. Gesellschaft [<lat. socius „Genosse, Gefährte“ + grch. logos „Rede, Wort, Kunde“]

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So|zio|lo|gie, die; -, -n [frz. sociologie, gepr. 1830 von dem frz. Philosophen u. Begründer der Wissenschaft A. Comte (1798–1857), zu lat. socius (Sozius) u. griech. lógos, Logos]:
Wissenschaft, Lehre vom Zusammenleben der Menschen in einer Gemeinschaft od. Gesellschaft, von den Erscheinungsformen, Entwicklungen u. Gesetzmäßigkeiten gesellschaftlichen Lebens:
S. studieren.

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I
Soziologie
 
die, -, Wissenschaft, die die Bedingungen und Formen menschlichen Zusammenlebens, die komplexen Struktur- und Funktionszusammenhänge der Gesellschaft und ihrer Institutionen in der geschichtlichen Entwicklung und in der Gegenwart systematisch untersucht und beschreibt. Ihr Gegenstandsbereich umfasst das gesamte soziale Handeln des Menschen, darin eingeschlossen die Beschäftigung mit sozialen Normen, Rollen und Handlungsmustern, Einstellungen, Wertorientierungen, mit regelgemäßem und abweichendem Verhalten, die Analyse sozialer Prozesse (sozialer Wandel, Mobilität, Konflikte), die Erforschung sozialer Lebensbereiche und Lebensalter sowie die Untersuchung sozialer Klassen und Schichten, sozialer Gebilde und Institutionen. Die wissenschaftliche Grundlegung der soziologischen Forschung ist Gegenstand der allgemeinen Soziologie (Klärung des wissenschaftlichen Gegenstandsbereiches, Formulierung der wissenschaftlichen Kategorien und Begriffe, der Methodologie, Theoriebildung); die problemorientierte Einzelforschung erfolgt im Rahmen zahlreicher spezieller Soziologien (z. B. Familien-, Jugend-, Alters-, Industrie-, Betriebs-, Medizin-, Militär-, Sport-, Religions-, Verkehrssoziologie). Charakteristische Themen soziologischer Forschung sind auch die Geschichte der Soziologie selbst und die vergleichende Analyse verschiedener Gesellschaftstheorien.
 
 Begriff und Begriffsabgrenzung
 
Der Begriff Soziologie geht auf den französischen Philosophen und Soziologen A. Comte zurück, der ihn 1824 prägte und 1839 erstmals publizierte, um damit eine im Sinne des von ihm konzipierten Positivismus bestimmte Wissenschaft von der Gesellschaft zu bezeichnen, die er bis dahin »physique social« (»soziale Physik«) genannt hatte.
 
Insoweit es zu den Grundmerkmalen der modernen Gesellschaft gehört, in sich widersprüchlich, vielfältig und dynamisch zu sein, finden sich diese Merkmale auch in der Soziologie als der Wissenschaft wieder, die sich als Beschreibung, Analyse und auch als Kontroll-, Steuerungs- oder Kritik- und Aufklärungsorgan eben dieser Gesellschaft und ihrer Entwicklungen versteht. Neben diesen Schwierigkeiten, die sich vom Objektbereich der Soziologie aus - der modernen Industriegesellschaft - für eine einheitliche Theorie oder einen allgemein anerkannten methodischen Forschungsansatz ergeben, werden die Erkenntnismöglichkeiten einer jeden Gesellschaftsanalyse durch weitere wissenschaftstheoretische (epistemologische), soziale und historische Faktoren bestimmt oder begrenzt, sodass eine grundlegende, einheitliche und allgemein anerkannte inhaltliche Begriffsbestimmung der Soziologie nicht möglich ist. Ausgehend von dem Verständnis der Soziologie als der »Selbstbeobachtung der modernen Gesellschaft« ist die Vielfalt soziologischer Forschungsansätze einerseits die Folge der Entwicklungsgeschichte des neuzeitlichen Wissenssystems und der entsprechenden Wissenschaftsvorstellungen, wissenschaftlicher Theoriebildungen, unterschiedlicher Methoden und Methodenlehren; andererseits wird sie nicht unwesentlich von den persönlichen Wertvorstellungen, Bildungsbiographien und der sozialen Herkunft der Soziologen mitbestimmt und unterliegt nicht zuletzt auch den Einflüssen derjenigen, an den Ergebnissen soziologischer Forschungsarbeit interessiert sind (Politik, Öffentlichkeit). Insgesamt lässt sich die soziologische Forschung dadurch beschreiben, dass sie sich grundsätzlich an der Methodik empirischer Forschungen orientiert und nach ihrem Selbstverständnis darauf ausgerichtet ist, ein »objektives« Bild der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu ermitteln. Ob und inwieweit die Soziologie als »Lieferantin« von objektivem Wissen, als gesellschaftliche Steuerungs- beziehungsweise Kontrollinstanz oder auch als Religionsersatz verstanden werden könnte (Letzteres z. B. bei Comte), ist allerdings seit der Begründung des Fachs umstritten geblieben (K. Popper, F. H. Tenbruck). Als Ergebnis der hermeneutisch-kritischen Diskussion der letzten Jahrzehnte wird inzwischen weitgehend die Einsicht akzeptiert, dass die Ergebnisse jeweiliger soziologischer Forschung prinzipiell historisch, kulturell und nicht zuletzt subjektiv gebrochen gewonnen werden und in dieser Relativität in den Gesamtzusammenhang der Sozialwissenschaften einzubinden sind.
 
 Geschichte des soziologischen Denkens
 
Betrachtungen über das menschliche Zusammenleben und seine Formen gab es schon seit der Antike (z. B. in der griechischen Polis); sie haben den Prozess der Herausbildung des neuzeitlichen Europas bis ins 18. Jahrhundert begleitet. Zugleich aber ist die Entstehung der Soziologie im eigentlichen Sinn an die Entwicklung der modernen Industriegesellschaften in Europa seit 1750 und in ihrer Folge den Aufstieg der bürgerlichen Gesellschaft gebunden. Vorformen soziologischen Forschens beziehungsweise Materialsammlungen hierfür finden sich dagegen bereits in früheren Formen der Sozialberichterstattung, wie sie in Reiseberichten und Reisehandbüchern seit dem 16. Jahrhundert, in frühen, beispielsweise »politische Arithmetik« (W. Petty) genannten, Sozialstatistiken und Sozialreporten aus dem 17. Jahrhundert oder in den im Laufe des 18. Jahrhunderts in Deutschland und Frankreich erstellten demographischen Erhebungen vorliegen, die sich zugleich mit Fragen der Wirtschaft, des Steuersystems, der Regionalentwicklung oder der Gesundheitsfürsorge beschäftigten. Auch die zum Vergleich einladenden Völker- und Sittengeschichten des 18. Jahrhunderts (z. B. Voltaire) sowie die zum Teil mit ethnologischen und der empirischen Beobachtung entstammendem Material angereicherten Geschichtsphilosophien der Aufklärung (A. Ferguson, A. de Condorcet) sowie die literarische Bezugnahme auf die gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit (etwa bei Montaigne oder in der französischen und spanischen Moralistik) trugen dazu bei, den Blick für die gesellschaftlichen Zusammenhänge zu schärfen.
 
Die Ausbildung eines eigenständigen Arbeitsfeldes der Soziologie allerdings stellt das Ergebnis von vier grundlegenden Veränderungen innerhalb der europäisch-abendländischen Welt dar, die zugleich deren Übergang in die Moderne charakterisieren. Hierzu gehört zunächst die mit dem Fragwürdigwerden der theologisch gegründeten Weltinterpretationen einhergehende Verlagerung der Verantwortlichkeit für soziale und politische Geschehnisse auf den Menschen selbst, der sich nunmehr in eine Welt gestellt sieht, die zugleich sein einziges Bezugssystem darstellen kann (Säkularisierung). Dieser Prozess wurde wesentlich durch das »Zeitalter der Entdeckungen« vorangetrieben, da die dort »entdeckten« fremden Kontinente, Völker und Kulturen nicht nur die bisherigen religiös fundierten Weltbilder infrage stellten, sondern von sich aus auch die Fragen nach Gesellschaftsformen, menschliches Sozialverhalten, nach Wirtschaft, Recht und Kultur in vergleichender Perspektive aufwarfen; von hier führte ein zweiter Weg zur Soziologie. Der dritte, wichtigste Weg zur Soziologie ist mit der Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft und der seit dem 18. Jahrhundert in Europa in Erscheinung tretenden zunehmenden sozialen Differenzierung der Gesellschaft in Handlungsbereiche (z. B. Politik, Recht, Wirtschaft), in Arbeitssektoren (z. B. Landwirtschaft, Industrie, Handwerk, politische Administration) und in verschiedene soziale Schichten (Zerfall der Ständeordnung) verbunden. Damit, nachhaltig in G. W. F. Hegels Differenzierung von Staat und Gesellschaft in der »Rechtsphilosophie« von 1821 thematisiert, taten sich zwei Fragestellungen auf, zu deren Beantwortung das Arbeitsfeld der Soziologie begründet wurde: die nach dem Zusammenhang der Gesellschaft im Ganzen und die nach den Bewegungsformen und -gesetzen der beobachteten Differenzierungen. Als vierte Veränderung ist schließlich der sich im 18. Jahrhundert vollziehende Umbruch in der Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte zu nennen, dieser bestand in der Umstellung auf eine genetische, wirkungsgeschichtliche Analyse, die ihre Methoden aus der empirischen Naturforschung bezog und brachte ein dementsprechend objektivistisches Erkenntnisideal mit sich. Hieraus erwuchs ein an den Naturwissenschaften als Grundlage orientiertes Wissenschaftsverständnis, auf das sich Comtes Positivismus ebenso wie seine Vorstellung von Soziologie berufen konnten: Beobachten, Messen, Klassifizieren, Regulieren, Vergleichen und, daraus abgeleitet, besonders die theoretische, konkretes Handeln ermöglichende Vorhersage, traten von Beginn an als grundlegende Verfahren und Zielsetzungen soziologischen Arbeitens hervor.
 
Gerade die frühe Soziologie wollte - noch dem Leitbild einer systematischen Aufklärung verpflichtet - nicht nur die systematische Erforschung der vorliegenden gesellschaftlichen Prozesse betreiben, sondern war an der Vorstellung orientiert, quasinaturgesetzliche Gesetzmäßigkeiten und Bewegungsgesetze in historischer Betrachtung zu erfassen. Dies trifft auf Comtes Dreistadiengesetz ebenso zu wie auf die von der Geschichtsphilosophie Hegels geprägten gesellschaftstheoretischen Vorstellungen von K. Marx, F. Engels oder L. von Stein. Dabei spielte die aus der zeitgenössischen Biologie übernommene Vorstellung eines Wechselbezugs von Statik und Dynamik eine wichtige Rolle und wurde auf die Beschreibungen des gesellschaftlichen Zustands ebenso übertragen wie auf die Konstruktion von Gesetzmäßigkeiten. Aber auch andere Arbeitsfelder führten zur Soziologie: die volkskundlich-kulturhistorische (und zum Teil romantisierende) Erforschung des Alltagslebens oder bestimmter Bevölkerungsgruppen wie Familie, Dorf oder Genossenschaften bei F. LePlay (* 1806, ✝ 1882) oder W. H. Riehl; die Fortsetzung und methodische Verfeinerung der Sozialstatistiken bei L. A. J. Quetelet; das soziale und sozialpädagogische Engagement und sein Interesse an empirischen Erhebungen und pragmatischen Lösungen, namentlich in England (Fabian Society) und in den USA. Auch der Sozialdarwinismus, soweit er ein Modell für den Vorrang des Gesellschaftlichen vor dem Individuellen bot, spielte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle (H. Spencer, L. Gumplowicz, W. G. Sumner).
 
Die entscheidenden Schritte zur Ausbildung der Soziologie als eigenständige Wissenschaft gingen um die Jahrhundertwende von É. Durkheim, G. Simmel, F. Tönnies und M. Weber aus. Inhaltlich bildeten dabei für Durkheim die überindividuellen Gegebenheiten des kollektiven Bewusstseins, das heißt die Wert- und Moralvorstellungen, und die gesellschaftlichen Institutionen ihrer Vermittlung das zentrale Thema der Soziologie. Tönnies widmete sich besonders der Untersuchung der Vergesellschaftungsformen. Simmel wandte sich in seinen Untersuchungen den formalen Formen der Vergesellschaftung zu (Gruppengröße, Über- und Unterordnung, Konkurrenz, Zugehörigkeit, Ordnung des sozialen Raums). Für Weber stellte das soziale Handeln, das heißt die sinnhaft bezogene Orientierung des Handelns an einem anderen Menschen, den Ausgangspunkt der soziologischen Untersuchung dar.
 
Im Unterschied zu Weber, der durch den Ausschluss subjektiver Wertungen und klare Begriffe die Objektivität der soziologischen Ergebnisse zu garantieren suchte, untersuchten andere Autoren der Jahrhundertwende gezielt die irrationalen Bestimmungsgründe sozialen Handelns (R. Michels, V. Pareto) beziehungsweise verfolgten stark psychologisch bestimmte Forschungsansätze (G. Tarde). Die institutionelle Begründung der Soziologie erfolgte mit der Einrichtung der soziologischen Abteilung an der Universität von Chicago durch A. Small (1892) und der Berufung Durkheims auf den ersten Lehrstuhl für Soziologie an der Sorbonne (1902). Entscheidende Schritte in Deutschland waren die Gründung des Forschungsinstituts für Sozialwissenschaften in Köln (1919) und des Frankfurter Instituts für Sozialforschung (1923).
 
In den Jahren zwischen den Weltkriegen erfuhr die Soziologie einen großen Aufschwung in den USA; in Europa gewann sie - nachhaltig beeinflusst durch die marxistische Gesellschaftstheorie und die freudsche Psychoanalyse - als eine der modernen Industriegesellschaft entsprechende wissenschaftliche Beschreibungsweise der Gesellschaft Profil. Die empirische Sozialforschung erreichte erste Höhepunkte in den Arbeiten H. D. Lasswells und P. F. Lazarsfelds. Eine für die Soziologie weitreichende und bis in die Gegenwart wirkende Bedeutung (Daniel Lerner [* 1917, ✝ 1980], N. J. Smelser, N. Luhmann, R. Münch) erlangte die in den 1930er- und 1940er-Jahren von T. Parsons und R. K. Merton entwickelte strukturell-funktionale Theorie.
 
 Entwicklung der Soziologie nach 1945
 
Für Europa und besonders für die deutsche Soziologie brachten das Ende des Zweiten Weltkrieges, die Erfahrung und Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen sowie die Zweiteilung Deutschlands und Europas nach 1945 eine nachhaltige, wenn auch nicht unbedingt sofort erkennbare Veränderung mit sich. Während die Soziologie im Wissenschaftsbetrieb der kommunistischen Staaten, besonders in der DDR, weitgehend den Rang einer Hilfswissenschaft marxistisch-leninistischer Studien einnahm (was empirisch ausgerichtete Arbeiten nicht ausschloss), knüpfte sie in der Bundesrepublik Deutschland vielfach an die (wenig entwickelte) Soziologie der Weimarer Republik an, wenn sie nicht sogar an Strukturen und Personen anschloss, die während der Zeit des Nationalsozialismus Sozialforschung betrieben hatten, worüber seit 1996 eine scharfe Kontroverse innerhalb der deutschen Soziologie geführt wird. - In den 1950er-Jahren erhielt die Soziologie in der Bundesrepublik entscheidende Impulse durch die aus dem Exil zurückgekehrten Soziologen (R. König, T. W. Adorno u. a.), die Frankfurter Schule (M. Horkheimer, Adorno), besonders aber durch die Rezeption der strukturell-funktionalen Theorie. Zu den wichtigsten Vertretern, die nach dem Zweiten Weltkrieg die älteren Ansätze mit dem Stand der internationalen Forschung verbinden konnten, gehören König, H. Schelsky, Renate Mayntz, H. P. Bahrdt, F. H. Tenbruck, R. Dahrendorf und D. Claessens. - Wichtige Impulse nach 1960 waren die 1961 entfachte Kontroverse um die Zulässigkeit beziehungsweise Unausschließbarkeit externer Erkenntnisinteressen in der sozialwissenschaftlichen Forschung (Positivismusstreit), die im Zuge der Studentenrevolte im Rückgriff auf marxistische Traditionen (G. Lukács) entwickelte soziologisch fundierte Gesellschaftskritik, die in den 1970er-Jahren zwischen J. Habermas und Luhmann geführte Kontroverse um die Bedeutung und Reichweite einer soziologisch ausgerichteten Systemtheorie sowie die Rezeption außereuropäischer Modelle politischer Soziologie (z. B. die Dependencia-Theorien). - In den 1980er-Jahren traten neben die vorherrschenden Globalmodelle (Strukturfunktionalismus, Marxismus, Systemtheorie) Forschungsansätze, die sich den Ebenen des Alltags, der individuellen Sinnorientierung und unterschiedlichen kulturellen Handlungsrahmen zuwandten (Alltagssoziologie, Ethnomethodologie, das Werk E. Goffmans). Die Soziologie der 1980er-Jahre nahm einerseits ältere Forschungsfelder wie die Organisationssoziologie, Kultursoziologie, ethnologische Soziologie bei Mary Douglas (* 1921, ✝ 1996) und phänomenologische Soziologie bei A. Schütz auf, wofür beispielhaft Arbeiten von P. L. Berger, Thomas Luckmann (* 1927) und P. Bourdieu stehen; zu den von ihr andererseits entwickelten neuen Theoriemodellen und Forschungsansätzen zählen A. Giddens' Theorie der Strukturierung, U. Becks Individualisierungstheorie, Konzepte feministische Soziologie bei Uta Gerhardt (* 1938) sowie die explanatorische Soziologie, die Hartmut Esser (* 1943) im Anschluss an die Arbeiten der amerikanischen Soziologen Jeffrey Alexanders (* 1947) und James Samuel Colemans (* 1926) entwickelt hat und die darauf zielt, die Ebene des individuellen sozialen Handelns (Situation) mit den gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen analytisch zu verknüpfen. Zu den zentralen Erträgen der sozialwissenschaftlichen Diskussion in den 1980er-Jahren zählt auch die Rezeption des Werkes von N. Elias, das aufgrund seiner erzwungenen Emigration jahrzehntelang vernachlässigt worden war. - Wichtige Themenstellungen der gegenwärtigen soziologischen Forschung sind die Zukunft der Arbeitsgesellschaft, die Systemtransformation im Hinblick auf die ehemals staatssozialistischen Gesellschaften (Transformationsgesellschaften), die Ökologie, die Globalisierung, die (neuen) gesellschaftlichen Konflikte und die (zunehmenden) Desintegrationsprozesse in der Gesellschaft.
 
 
Handbücher, Wörterbücher, Nachschlagewerke:
 
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J. S. Colemann: Grundlagen der Sozialtheorie, 3 Bde. (a. d. Engl., Neuausg. 1995);
 
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A. Treibel: Einf. in soziolog. Theorien der Gegenwart (41997);
 
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Allgemeines:
 
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R. Kreckel: Soziolog. Denken (21976);
 
P. Furth u. M. Greffrath: Soziolog. Positionen (1977);
 
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G. Simmel: S. (61983);
 
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J. Habermas: Zur Logik der Sozialwiss.en (Neuausg. 1985);
 
J. Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns, 2 Bde. (Neuausg. 21997);
 
R. Dahrendorf: Pfade aus Utopia. Arbeit zur Theorie u. Methode der S. (41986);
 
W. Lepenies: Die drei Kulturen. S. zw. Lit. u. Wiss. (1988);
 
Die Modernisierung moderner Gesellschaften, hg. v. W. Zapf (1991);
 
É. Durkheim: Die Regeln der soziolog. Methode (a. d. Frz., Neuausg. 31995);
 
H. Esser: S. Allg. Grundlagen (21996);
 
N. Luhmann: Soziale Systeme. Grundr. einer allg. Theorie (61996);
 
B. Schäfers: S. u. Gesellschaftsentwicklung (1996);
 
A. Schütz: Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt. Eine Einleitung in die verstehende S. (61996);
 
Wozu heute noch S.?, hg. v. J. Fritz-Vannahme (1996);
 
U. Beck: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne (141997);
 
P. L. Berger u. T. Luckmann: Die gesellschaftl. Konstruktion der Wirklichkeit (a. d. Engl., 41.-42. Tsd. 1997);
 
G. Mikl-Horke: S. Histor. Kontext u. soziolog. Theorie-Entwürfe (41997).
 
 
R. Aron: Die dt. S. der Gegenwart (a. d. Frz., 31969);
 
R. Aron: Hauptströmungen des klass. soziolog. Denkens (a. d. Engl., 1979);
 
R. Aron: Hauptströmungen des modernen soziolog. Denkens (a. d. Engl., 1979);
 
H. Klages: Gesch. der S. (21972);
 
Dt. S. seit 1945, hg. v. G. Lüschen (1979);
 
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F. Jonas: Gesch. der S., 2 Bde. (Neuausg. 21981);
 
S. in Dtl. u. Österreich 1918-1945, hg. v. M. R. Lepsius (1981);
 
O. Rammstedt: Dt. S. 1933-1945. Die Normalität einer Anpassung (1986);
 
G. Hauck: Gesch. der soziolog. Theorie. Eine ideologiekrit. Einf. (7.-9. Tsd. 1988);
 
S. in Dtl. Entwicklung, Institutionalisierung u. Berufsfelder. Theoret. Kontroversen, hg. v. B. Schäfers (1995);
 
C. Klingemann: S. im Dritten Reich (1996);
 
D. Kaesler: S.(1997);
 
Frauen in der S. Neun Portraits, hg. v. Claudia Honegger u. Theresa Wobbe (1998);
 
H. Korte: Einf. in die Gesch. der S. (62000).
 
Zeitschriften:
 
Kölner Ztschr. für S. u. Sozialpsychologie (1948 ff.);
 
Soziale Welt (1949 ff.);
 
Archives européennes de sociologie (New York 1960 ff.);
 
Sociologia internationalis (1963 ff.);
 
Ztschr. für S. (1972 ff.);
 
Leviathan. Ztschr. für Sozialwiss.en (1973 ff.);
 
Soziolog. Revue (1978 ff.).
 
II
Soziologie,
 
die Wissenschaft vom menschlichen Zusammenleben, von den sozialen Beziehungen und den Formen, Institutionen und sonstigen Funktionszusammenhängen der menschlichen Gesellschaft. Das Erkenntnisinteresse der Soziologie richtet sich auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und hier besonders auf die Absichten, Formen und Folgen sozialen Handelns, ferner auf die Erforschung der Interaktionen in und zwischen sozialen Gruppen, Organisationen und Institutionen und sucht hier sowohl die Innenlage der jeweiligen Bezüge (Kleingruppenforschung, Systemtheorie) als auch die Außenlage - Verhältnis zu anderen gesellschaftlichen Teilbereichen und Untergruppen (Konfliktsoziologie, Strukturfunktionalismus) - zu erfassen. Schließlich versucht die Soziologie gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge zu erforschen, das heißt die theoretische und empirische Erfassung ganzer Gesellschaften und Gesellschaftsformen (Gesellschaftstheorie, soziologische Grundbegriffe).
 
Der Begriff Soziologie geht auf den französischen Sozialphilosophen und Soziologen A. Comte zurück. Die Soziologie unterteilt sich in eine allgemeine Soziologie (Gesellschaftstheorie, Theorien des sozialen Handelns, soziologische Grundbegriffe, Institutionslehre, soziale Gruppenstrukturen, sozialer Wandel, soziale Mobilität und Sozialstrukturen sowie Fachgeschichte und Methodenlehre) und in eine spezielle Soziologie (Soziologie bestimmter gesellschaftlicher Teilbereiche und sozialer Gruppen wie Gemeindesoziologie, Religions-, Familien-, Medien-, Medizin-, Rechts- und Wirtschaftssoziologie). Zur akzeptierten Selbstverständlichkeit des Faches gehört die Ausbildung der soziologischen Erkenntnis an Methoden, Selbstverständnis und Maßstäben einer empirischen, auf die Gewinnung von Fakten und Daten gerichteten Wissenschaft und Methodenlehre.
 

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So|zi|o|lo|gie, die; - [frz. sociologie, gepr. 1830 von dem frz. Philosophen u. Begründer der Wissenschaft A. Comte (1798-1857), zu lat. socius (↑Sozius) u. griech. lógos, ↑Logos]: Wissenschaft, Lehre vom Zusammenleben der Menschen in einer Gemeinschaft od. Gesellschaft, von den Erscheinungsformen, Entwicklungen u. Gesetzmäßigkeiten gesellschaftlichen Lebens: S. studieren; Es gibt eine S. des Mülls: Akademiker lesen mehr Zeitungen; Haushalte mit höherem Einkommen verbrauchen mehr Tiefkühlkost (Weinberg, Deutsch 122); Zum Schluss starten die Autoren dann noch, was man einen Minoritätenangriff nennt. Sie werfen anderthalb Thesen zur S. des Spielers nach vorne und geben ihnen durch Theoriefiguren wie Benjamin und Adorno Deckung (FAZ 17. 2. 99, 52).

Universal-Lexikon. 2012.

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